Förderprojekte

24. Oktober 2014

Workshop „Erschriebene Erinnerung“

Foto im Plakat oben: Prof. Dr. Axel Gellhaus, weitere Fotos: Hanna Bölling

Es ist schon ein paar Jahre her, dass Herr Prof. Axel Gellhaus vom Lehrstuhl für Allgemeine Literaturwissenschaft und Neuere Deutsche Literaturgeschichte und ich das Kolloquium Literatur und Erinnerung ins Leben gerufen haben. Die Erinnerung, so haben wir uns gedacht, muss ein Phänomen von besonderem Interesse für Autoren und Autorinnen sein. Sie ist unberechenbar und auch wenig steuerbar – und darin der Phantasie nicht unähnlich. Mnemosyne, die Mutter der Musen, verweist auf die enge Beziehung zwischen dem Gedächtnis und der Schöpfungskraft ebenso wie die berühmte Szene von Marcel Proust, in der der Geschmack einer Madeleine mit Lindenblütentee eine ganze Kaskade von Erinnerungen auslöst.

Das Kolloquium entwickelte sich für Studierende und Lehrende zu einer so gewinnbringenden und interessanten Veranstaltung, dass es bis heute fortgesetzt wurde. Herausgefordert durch die Aufgabe, dem poetologischen Stellenwert der Erinnerung nachzuspüren, versammelte sich ein Dutzend engagierter Studierender, um über das Verhältnis von Literatur und Erinnerung nachzudenken, es an zahlreichen Beispielen zu untersuchen und nicht zuletzt gerade über erinnerungspolitische Aspekte auch zu streiten.

Begreift man den Akt des Schreibens als Versuch, mentale Prozesse des Erinnerns hervorzurufen und zugleich sprachlich zu fixieren, ergibt sich oft eine neue Perspektive auf einen Text. Die Ergebnisse, die unsere – sich oftmals bis in den späten Abend hinziehenden – Analysen zutage förderten, weckten in uns den Wunsch, diese einem breiteren Publikum zu präsentieren, weshalb wir, eine Gruppe von DoktorandInnen und Masterstudierenden, am 24. und 25. Oktober 2014 den Workshop mit dem Titel „Erschriebene Erinnerung“ veranstaltet haben. Darüber hinaus ist dann 2015 ein Buch – ebenfalls mit dem Titel „Erschriebene Erinnerung“ – bei Böhlau erscheinen, in dem neben den beim Workshop vorgestellten Themen auch weitere Aufsätze über Erinnerungsreflexionen bei Friedrich Schiller, Victor Klemperer, Paul Celan und Franz Kafka enthalten sind.

Bei dem Workshop wurden an zwei Tagen Vorträge aus verschiedenen Untersuchungsfeldern im Kontext der Erinnerungsliteratur präsentiert und dabei Schnittstellen zwischen Literaturwissenschaft einerseits und Geschichte, Politikwissenschaft, Pädagogik und Kunstgeschichte andererseits aufgezeigt. Unterstützten wurden die Diskussionen zu den Beiträgen von drei Experten der Erinnerungsliteratur, Erinnerungspoetologie und Erinnerungskultur: Frau Prof. Marion Gymnich, eine in Erinnerungsfragen versierte Wissenschaftlerin, die extra aus Köln zum Workshop angereist ist, sowie Frau Prof. Karin Herrmann und Herr Prof. Hans Joachim Hahn vom Germanistischen Institut der RWTH Aachen. Es ist sehr schade, dass Prof. Axel Gellhaus, der am 30. September 2013 verstorben ist, diese Veranstaltung nicht mehr miterleben konnte, um zu sehen, welche Ergebnisse die ganzen Denkprozesse hervorgebracht haben, die er angestoßen hat und für die wir ihm sehr dankbar sind.

Dem Kanzler der RWTH Aachen und den Freunden und Förderern der RWTH Aachen proRWTH ist herzlich zu danken, dass Sie diesen Workshop möglich gemacht haben!
Autorin: Sanna Schulte

Weitere Informationen: www.germlit.rwth-aachen.de/

Foto Mitte: Referent Felix Kampel
Foto unten: Referenten (v.l.n.r.) Felix Kampel, Olga Blank, Sascha Tuchardt, Hannah Tzschentke und Hans-Joachim Hahn