Förderprojekte

09. Juli 2015

Nachwuchskonferenz „Provokation und Subversion – Körper und Sexualität in der Literatur“

Fotos und Plakat: Hannah Tzschentke

Am 9. und 10. Juli 2015 fand die Nachwuchskonferenz „Provokation und Subversion – Körper und Sexualität in der Literatur“ in Aachen statt, die von jungen Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern des Germanistischen Instituts der RWTH organisiert wurde. Getagt wurde im Haus Königshügel (Gästehaus der RWTH) und in der philosophischen Bibliothek. An der Konferenz nahmen neben den Aachener Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern zehn Referentinnen und Referenten von anderen Universitäten aus dem Inland (München, Düsseldorf, Kiel, Regensburg, Marburg, Freiburg, Paderborn) wie auch aus dem Ausland (Wien, Breslau) teil. Vor Ort waren an beiden Tagen ebenso Professorinnen und Professoren des Germanistischen Instituts und interessierte Studierende.

Im thematischen Zentrum der Konferenz stand die Auseinandersetzung mit den literarischen Darstellungsweisen von Körpern und Sexualität, deren provokatives und subversives Potenzial in vierzehn Beiträgen eruiert wurde. Dabei ging es weniger darum, eine spezifische Epoche in den Blick zu nehmen oder den Fokus auf eine bestimmte Nationalliteratur festzulegen, vielmehr zeigten die diversen Vorträge, dass das Provokative und Subversive bei der Inszenierung von Körpern und Sexualität nicht an zeitliche Phasen oder an nationales Grenzdenken gebunden ist. So reflektierte Tamara Fröhler in ihrem Beitrag über Geschlechterstrukturen in Ovids Narziss et Echo, Elisa Meyer widmete sich der Funktion von Körper und Sexualität in Robert Musils Mann ohne Eigenschaften, Andrea Klatt referierte über das Komik generierende Spannungsverhältnis von Entsexualisierung und Sexualisierung des menschlichen Körpers in Ernst Augustins Die Schule der Nackten und Charlotte Pardey sprach über den Zusammenhang von sexueller Gewalt, Grenzen und Geschlechterrollen in Koelmans Le Sadique. Nicht alle Beiträge beschränkten sich auf die Lektüre von Texten; Leonie Süwolto etwa beschäftige sich mit der nach wie vor als Tabubruch wahrgenommenen Sexualisierung von alten Körpern in Andreas Dresens Film Wolke 9.

Die einkalkulierte Diskussionszeit nach jedem Vortrag und die Kaffeepausen boten genügend Raum für gleichermaßen intensiv und kontrovers geführte Diskussionen, in denen nicht zuletzt auch immer wieder die Begriffe ‚Provokation‘ und ‚Subversion‘ thematisiert wurden. Flankiert waren die Vorträge von einem gemeinsamen Abend- und Mittagessen sowie von einer Domführung, die nicht nur zu einem erweiterten Austausch über die Konferenzthematik einluden, sondern auch ein besseres Kennenlernen der Referentinnen und Referenten erlaubten.

Für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler ist das Knüpfen von Kontakten untereinander, die zum Teil auch über die eigene Disziplin hinausgehen, ein ebenso zentrales Anliegen wie die Positionierung im wissenschaftlichen Diskurs anhand von veröffentlichten Forschungsergebnissen. In diesem Sinne ist derzeit ein Sammelband mit den Vorträgen der Konferenz in Planung.

Herzlich zu danken ist unseren finanziellen Förderern – dem Verein der Freunde und Förderer der RWTH Aachen proRWTH, dem Dekanat der Philosophischen Fakultät sowie Kanzler Manfred Nettekoven – deren Unterstützung die Nachwuchskonferenz in der beschriebenen Form ermöglicht hat.

Autorin: Dr. Sanna Schulte, Link zum Institut: https://www.germlit.rwth-aachen.de/